SAAC-Lawinencamp in Ankogel

Der Ankogel mit seinen 3348 gewaltigen Höhenmetern, die ihn als wirklich mächtig großen Felsen ausweisen, spielte dabei den unfreiwilligen Schirm-herren des Camps, das auf dem Mallnitzer Skigebiet bis rund 2600 Meter Höhe ausgetragen wurde.

An Bord der Chaoskutsche Richtung Süden: Drei Freeride Fetischisten, darunter Harald „Herr Nilson“ Pihilipp, Christopher Laumanns, so wie meine Wenigkeit. Der von vornherein eingeplante Übernachtungs-Zwischenstop nahe des Kitzsteinhorns lud uns drei müde Reisende zu einem gemütlichen Plausch über vergangene Zeiten ein und zelebrierten einen gepflegten Schmauch. Seltsam übrigens, wieviele Situationen des Alltags sich mit der Ehe vergleichen lassen. Am folgenden Tage hebelten wir uns um brutale 6.00 Uhr aus den Kojen, um nach Möglichkeit so früh wie möglich in Mallnitz anzukommen und noch ein paar Runs zu machen. Der Tatsache zum Trotze, dass drei erwachsene Menschen nicht fähig sind, Schneeketten auf Autoreifen aufzuziehen, gelang es uns dennoch, den Verladezug genau pünktlich zu erreichen. Eine viertel Stunde Zugfahrt unter einem gewaltigen Bergmassif hindurch und schon wurden wir direkt in das Wintersportgebiet gespuckt.

So kamen wir noch früh genug vormittags an der Talstation an. ImageDer offizielle Part des Camps sollte erst ab 15.00 Uhr erfolgen, so dass wir genügend Zeit hatten, das Resort zu testen. Nach einer spaßigen Umzieh-Session im viel zu voll gepackten Auto sahen wir uns mit Freudentränen in den Augen (angesichts der vollgepowderten Berge) in der Liftkabine nach oben wieder. Mit absoluter Nullsicht (es wollte einfach nicht aufhören zu schneien), dafür aber auch rund 20 cm Neuschnee – sogar auf der Piste – kämpften wir uns in regelmäßigen Zeitabständen durch die Landschaft gen Tal und reizten dabei unser Material voll aus. Schließlich gehören Vitelliturns und Tailpresses zum guten Ton - nicht jedoch Herr Nilsons Skilehrergrätschen. Aber schließlich waren wir auch hergekommen, um etwas zu lernen. Und so begab man sich gemächlich in den extra für uns gemieteten Speisesaal, eines kleinen, urigen Hotels zur schicken PowerPoint-Präsentation.

Als die drei einzigen deutschen Teilnehmer des insgesamt 17köpfigen Kurses, sahen wir uns mit dem Motivations-Ass und ausgebildeten Bergführer Stefan konfrontiert. Seine mitunter recht befremdliche Eigenart, jede korrekt beantwortete Frage, seitens der Campteilnehmer mit Werbegeschenken (die wie Hundeleckerli verteilt wurden) zu belohnen, stieß auf allgemeines Frohlocken in den Reihen. Dennoch ging es thematisch stilsicher zu: Wetter- und allgemeine Lawinenkunde waren genauso fester Bestandteil wie Gefahrenvermeidung durch den Tourenfahrer /Freerider. Welche Faktoren tragen zu Lawinenbildung bei? Was sind „Hot Spots“? Wo findet man sie? Und wie kann ich eine sichere Line ins Tal finden? Fragen, die jeden ernsthaften Rider interessieren sollten, wurden geklärt, so wie anhand einer Live-Vorführung die Funktionsweise eines ABS-Rucksacks. Local-Skifahrer „HaMs Maulwurf“ glänzte dabei durch Einsatzbereitschaft und reges Interesse, die Mitgestaltung der Schulung erzwingen zu wollen.

Nach einem sehr lustigen – wenn auch kurzen Abend und einer dafür umso längeren, erfrischenden Nacht traf sich die erlauchte Gesellschaft am nächsten Tag in aller Frühe und bei strahlendem Sonnenschein (Danke, Petrus! Du bist mein Mann!!!“), das am Vortag erlernte in die Praxis umzusetzen und zu vertiefen. Um 9 Uhr gab es erstmal eine obligatorische Einweisung durch den mehr oder minder aktuellen Lawinenlagebericht mit „Stoffel“, einem weiteren SAAC-Crack. ImageDass sich der Bericht auf den Vortag bezog, zerrte genauso an unseren Nerven, wie die regelmäßig vernehmbaren Sprengungen, die durch das Tal hallten. Nichtsdestotrotz überwog das Vertrauen in die jahrelange Erfahrung unserer Guides und nach der Materialausgabe, in der sichergestellt wurde, dass wirklich jeder ein LVS-Gerät, eine Sonde und eine Schaufel mit auf den Berg führte, befanden wir uns mal wieder in der Gondelbahn gen Bergspitze! Dem Schicksal des hervorragenden Wetters ergeben, nahmen wir uns ersteinmal vor, bis ungefähr halb 1 den frischen Powder zu checken. Dabei wurde ständig darauf achtgegeben, Hangneigung mit den Kenntnissen über Lawinengefährlichkeit abzugleichen. Sprich: Bei Gefahrenstufe 3 sollten Hänge mit 30° Gefälle absolut rockbar sein! In zwei Gruppen aufgeteilt, frästen wir uns durch den Berg und hinterließen beeindruckende Lines. Dabei machte Harald durch seine feinen Cutbacks seine Sünde vom Vortag wieder wett und rettete sich so vor dem Zorn des Berggottes.

Nach einer kleinen Stärkung im Stationsrestaurant, ging es dann ans Eingemachte des Praxisteils des Camps: Verschüttetenortung. Sich durch einen halben Meter tiefen Schnee zu kämpfen, um ein vergrabenes Lawinenpieps zu finden ist nicht wirklich schön, aber akzeptabel, wenn man sich in die Rolle des Verschütteten hineinversetzt, der vielleicht an dem Pieps noch dranhängt. So war der Umgang mit den Gerätschaften zwar schnell erklärt, aber bis man dann endlich das „Lawinenopfer“ ausgegraben hatte, verging eine ungesunde Zeitspanne, so dass ich zum Fazit der Simulation sagen muss: Nur Übung macht den Meister! Zuletzt wurde eine Demonstration mit anschließender Interpretation und Bewertung von unterschiedlichen Schneeschichten zum Besten gegeben. Erst bei der Betrachtung der hauchdünnen Gleitschichten, die einem Schneebrett die Möglichkeit geben, ins Tal zu rauschen, bekommt man die nötige Vorstellungskraft, um sich die Gewalt einer Lawine klar zu machen. Wem 2 Meter Abrisskante etwas sagt, der sollte sich vorsichtig im Backcountry bewegen...

Anhand der gemachten Erfahrungen und des erlernten Basiswissens über das Verhalten abseits der gesicherten Gebiete, kann meine Gesamtbewertung der SAAC-Camps nur positiv ausfallen. Für ein absolut geringes Entgeld (insgesamt habe ich für das WE persönlich knapp über 100 € ausgegeben) bekommt man einen maximalen Output an Information und Leistung. Dazu zählen kostenlos zur Verfügung gestelltes Backcountry-Equipment, so wie ein Tages-Liftpass und die individuelle Betreuung durch ausgebildete Bergführer. Selbstverständlich war die Anmeldung selber ebenfalls kostenlos.

Ein Muss für Freerider, die es gerne mal stauben lassen!

Mehr Informationen zu den Lawinen-Camps gibt es im Artikel „To ride or not to ride“, oder aber direkt auf der SAAC-Webpage auf www.saac.at!

Autor: Wörbel

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