Snowboardcross-Finale in Laax 2001

Die Weltmeister im Snowboardcross:
Frauen: 1. Line Oestvold (NOR), 2. Ine Poetzl (AUT), 3. Erin Simmons (CAN)
Männer: 1. Xavier Delerue (FRA), 2. Philippe Conte (SUI), 3. Drew Neilson (CAN)
Ergebnis des Rennens:
Frauen: 1. Fabienne Reuteler (SUI), 2. Ine Poetzl (AUT), 3. Tanja Frieden (SUI)
Männer: 1. Xavier Delerue (FRA), 2. Nicolas Conte (FRA), 3. Drew Neilson (CAN)

Die FahrerInnen mussten sich heute mächtig umstellen: Gestern noch wurden die Zeitläufe zur Finalqualifikation bei bester Sicht und Sonnenschein gefahren, heute schneite es ununterbrochen, Windböen schränkten die Sicht ein, was bei dem anspruchsvollen Kurs mit vielen Sprüngen nicht ganz ungefährlich war. Gefragt war heute: die instinktive Anpassung ans Gelände, ein gut gewachstes Board und eine große Portion Mut. Der Kurs: 845 m lang, u.a. einige Kamelbuckel hintereinander, drei Tief-Sprünge (sogenannte "tunnel jumps", bei denen es nach Sprung und Landung weiter steil bergab geht), eine enge S-Kurve mit Steilwänden, ein hoher Sprung mit Richtungsänderung ("quarter turn") und ein "big big Air" (Riesensatz bzgl. Höhe und Weite, Flugdauer: ca. 4-5 Sek.!!) .

Nicolas Conte (FRA) wollte es zum Ende der Saison noch mal wissen. Heute wurde er - vor seinem Bruder Philippe (4.) - Zweiter im Rennen und letztendlich Vierter der Weltmeisterschaft. Er verpasste heute nur knapp den 3. Podestplatz bei der Champions-Ehrung: "Heute wollte ich eigentlich endlich meinen ersten Sieg einfahren. Ich bin insgesamt mit der Saison zufrieden, habe mich bis heute steigern können und es hat sich bewährt, dass ich mich so stark auf das Snowboardcross-Training konzentriert habe."

Drew Neilson (CAN) stand heute zweimal als Dritter auf dem Treppchen. Um ein Haar hätte er Platz 3 im world ranking an Nicolas abgeben müssen, nachdem er in der Mitte des Rennens leicht gestürzt war (aber direkt weiterfahren konnte) und Nicolas daher passieren ließ.

Vize-Weltmeister Philippe Conte (lebt in und startet seit Beginn der Saison für die Schweiz) und Vierter des heutigen Rennens respektierte die Leistungen seines härtesten Konkurrenten: "Xavier ist die gesamte Saison über stärker gewesen. Er ist halt einige Jahre jünger als ich, ein Draufgänger ohne Angst und daher unschlagbar bei schwierigen Kursen. Ich habe Familie und denke inzwischen über waghalsige Manöver etwas anders. Die technisch anspruchsvollen Kurse hingegen habe ich gegen ihn gewonnen. Ich bin nicht enttäuscht, im Gegenteil ich freue mich über den 2. Platz, schließlich war ich letztes Jahr schon Weltmeister."

Freudig, aber nicht überrascht über seinen Sieg und Weltmeisterschaftstitel, meinte Xavier Delerue nach dem Rennen: "Ich bin mit wesentlich mehr Erfahrung in diese Saison gestartet. Ich war locker und entspannt, habe mich von dem Presserummel nicht so ablenken lassen und mich auf mein Ziel konzentriert. Ich habe aus den Fehlern der vergangenen Saison gelernt. Meine neu gewonnene mentale Stärke, die Philippe mir im letzten Jahr voraus hatte, meine Risikobereitschaft und auch verbesserte Fahreigenschaften waren der Titelgewinn."

Ueli Kestenholz (SUI), einer der besten Allrounder, hatte sich heute geringe Hoffnungen auf einen Podestplatz machen können, schied aber etwas unglücklich im Halbfinale aus: "Ich war schon an dritter Position im Halbfinale, musste aber ausweichen, um einen Zusammenstoss zu vermeiden. Mein Fokus liegt aber ganz klar auf dem Alpin-Titel nächste Woche in Davos. Ich fahr halt gerne überall mit, denn zum Snowboarden gehören für mich die Fähigkeiten aller Disziplinen. Ich will das nicht so strikt trennen. Gelegentlich gehe ich sogar in die Halfpipe, bloß für einen Contest reicht es dabei nicht." Ueli wurde 5. im Snowboardcross World Ranking und hat als Führender im Motorola ISF worldranking Alpin beste Voraussetzungen für den Titel des Weltmeisters.


Ine Poetzl (AUT), heute Zweite in Laax und somit Vize-Weltmeisterin der Motorola ISF Tour 00/01, war überglücklich mit dem 2. Platz. Sie hatte nämlich während der Saison eine Verletzung zu überstehen. "Die Line (Oestvold) war in diesem Jahr deutlich stärker als im letzten Jahr. Mir war von Anfang an klar, dass das ein harter Kampf wird. Es hat auch nicht nur an meiner Verletzung gelegen. Zwar bin ich nach der 2-wöchigen Physio-Therapie etwas verhaltener gefahren, denn es ist einfach im Kopf und man kann es nicht verdrängen. Aber ich glaube, sie hätte mich auch so geschlagen. Ich gönne ihr den Sieg von Herzen, sie hat´s verdient."

Fabienne Reuteler (SUI) stand heute - wie vor einem Jahr - sensationell als Siegerin auf dem Podest. Auch sie zählt zu den Allroundern (derzeit Zweite im Motorola ISF Halfpipe-Ranking) und hat beste Chancen in Davos auf den Vize-Weltmeisterschaftstitel der Freestyler. Erin Simmens (CAN) schob sich durch ihre erfolgreiche Finalteilnahme in Laax (5.) noch auf den dritten Platz im Gesamt-Ranking.

Line Oestvold (NOR) war zwar heute "nur" Sechste im Final-Rennen geworden, den Weltmeistertitel konnte ihr aber keiner mehr nehmen. "Abgesehen davon, dass wir uns heute auf den Neuschnee umstellen mussten, hat mir der Kurs gelegen, er war relativ anspruchsvoll mit vielen hohen Sprüngen. Gestern habe ich die Party ausfallen lassen, heute aber werde ich meinen Weltmeistertitel feiern. Ich habe dieses Jahr meine Erfahrungen aus dem letzten Jahr verwerten können, ich denke, ich hätte auch ohne Ine`s Verletzung gewinnen können. Das habe ich gleich zu Beginn der Saison gemerkt, dass das eng wird."

Ena Himmler (GER) brach sich gestern im Training bei einem Sturz das Handgelenk und konnte nicht mehr an den Qualifikationsläufen zum Finale teilnehmen. Sie hätte sogar noch theoretische Chancen auf einen dritten Platz gehabt. Leider fällt für sie auch der Alpin-Wettbewerb in Davos flach. Sie hatte dafür eine gute Ausgangsposition für einen Podestplatz. 

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