Freestyler machen es den Alpinfahrern nach

Bei den Frauen waren zwar auch drei Schweizerinnen im Finale (unter den letzten 6), dem Erwartungsdruck im eigenen Land konnte jedoch nur Fabienne Reuteler (SUI) gerecht werden, die am Ende Dritte wurde. Damit hat sie ihre Führung in der Weltrangliste wieder an Stine Brun Kjeldaas (NOR) abgegeben. Zweite wurde Minna Hesso (FIN), die leider ihre gute Form aus der Qualifikation nicht bis zum Schluss durchziehen konnte. Sie war heute auch die Einzige, die einen Sieg Stine´s hätte gefährden können. Sie verblieb somit im championship ranking auf dem dritten Platz, ist allerdings Fabienne Reuteler (SUI) dicht auf den Fersen. Wie gewohnt hatte die Norwegerin Kjeldaas beide Finalläufe (der Bessere zählt am Ende) souverän gemeistert. Sie war auch die einzige unter den Frauen, die fehlerlos zwei 720er (zwei Umdrehungen in der Horizontale) in einem Lauf springt und sicher landet. 540er (1,5 Drehungen) und diverse grabs (in der Flugphase ans Brett greifen) gehören zu ihrem Standard-Programm."Minna hatte heute die Chance, mich zu besiegen, denn ich habe sie im Training und in der Qualifikation genau beobachtet, sie hat nur ihr Niveau im Finale nicht halten können. Meine Stärke ist es vor allem, im Finale das Beste aus mir herauszuholen, denn Minna und Fabienne sind technisch mittlerweile auf meinem Niveau. Die etwas weichere Pipe hat mir gut gefallen, ich glaube, da bin ich bei den Frauen nicht die Einzige, denn da kann ich mit etwas mehr Risiko springen."

Da die Startreihenfolge im Finale umgekehrt ist (die Besten nach dem Halbfinale starten zum Schluss), entschieden sich die Podestplätze bei den Herren erst mit den letzten drei Läufen. Dani Costandache (SUI) wurde Dritter, denn er hatte im ersten Finallauf mit Abstand die höchste Punktzahl vorgelegt und einmal mehr bewiesen, dass er ein genialer und risikofreudiger Freestyler ist, der immer aufs Ganze geht. Im zweiten Durchgang hatte er mal wieder zu viel riskiert, denn Kalkül und Taktik ist nicht seine Art. Gian Simmen (SUI) hingegen, der ISF-World Champion der letzten Saison, Olympiasieger von 98 und Führender im world ranking wusste genau, dass er im 2. Lauf noch eins drauflegen musste.
Er übertrumpfte Dani Costandache um wenige Punkte durch besonders hohe, elegante aber sichere und kontrollierte Sprünge und war damit schon Zweiter. Er hatte wohl nicht mit Jonas Emery (SUI) gerechnet, der unbelastet in den letzten Run des Tages ging und Genialität, Risiko (900er!! = 2.5 Umdrehungen), Style und Sicherheit in einen Lauf bringen konnte. Die Zuschauer waren begeistert und die ´Judges` beförderten ihn auf den 1. Platz.

Im letzten Jahr hatte er sich mehr auf Big Air-/Straight Jump-Wettbewerbe konzentriert, in Laax war er trotz Trainingsrückstand in der Halfpipe Vierter geworden, spätestens seit heute hat er sich auf der Motorola ISF Tour wieder zurückgemeldet. "Mir kommt das neue "Overall Judging-System" seit dieser Saison zupass (Anm.:persönlicher Ausdruck zählt mehr als Taktik), es macht mir wieder richtig Spaß. Heute habe ich auch nicht den Fehler gemacht, mich über den ersten Lauf zu ärgern, ich bin cool und locker geblieben und das hat sich gleich positiv ausgewirkt."

Leysin (CH) hat als Austragungsort für Snowboardrennen - vergleichbar zu Fieberbrunn (AUT) - eine lange Tradition - bereits vor 10 Jahren wurde hier der erste internationale Wettkampf in Kooperation mit der ISF (International Snowboard Federation) ausgetragen. Während des Parallel Riesenslaloms arbeiteten gestern die Organisatoren fieberhaft daran, die 4,5 m hohe Halfpipe vom Neuschnee zu befreien, um die Fahrtgeschwindigkeit und somit Höhe und Qualität der Sprünge für die Freestyler zu gewährleisten.

Plätze 1-10 in Kürze:
HP Frauen:
1. Stine Brun Kjeldaas (NOR),
2. Minna Hesso (FIN),
3. Fabienne Reuteler,
4. Kjersti Oestgaard Buaas (NOR),
5. Andrea Schuler (SUI),
6. Aude Combelles (SUI),
7. Satu Jarvela (FIN),
8. Kirsi Rautava (FIN),
9. Manuela Pesko (SUI),
10. Tanja Baumgartner (AUT).

HP Männer:
1. Jonas Emery (SUI),
2. Gian Simmen (SUI),
3. Dani Costandache (SUI),
4. Pascal Imhof (SUI),
5. Espen Arvesen (NOR),
6. Ron Chiodi (USA),
7. Kim Christiansen (NOR),
8. Fabien Rohrer (SUI),
9. Therry Brunner (SUI),
10. Rune Lundsoer (NOR). 

Zurück