8tes Longboard Classic in Stuben Arlberg

Selbst der Arlberg hatte Ende April seine Probleme mit der Schneelage und so musste die Streckenführung beim 8ten Longboard Classic in Stuben verkürzt werden. Und obwohl der Sommer in den Städten bereits Einzug gehalten hatte, schafften es gut 270 Freeride-Begeisterte Snowboarder zum obligatorischen Saisonsabschluss nach Stuben!

Qualität statt Quantität war im Nachhinein gesehen wohl das Motto des Events. Veranstalter Paul Gruber hatte sich viel für das achte Longboard Classic vorgenommen: Legendentreffen, den Eintrag ins Guinness Buch™ der Rekorde als der Snowboard Event mit den meisten Teilnehmern und natürlich vor allem einen unvergesslichen Event für alle Teilnehmer. Grundsätzlich sind alle Vorhaben gelungen, wenngleich man die Latte für den Guinness Buch™ Eintrag gerne etwas höher geschraubt hätte. Aber 270 aktive Teilnehmer in einem Snowboard Event sind trotzdem nicht so leicht zu toppen. Das war dann aber auch schon der einzige Wehrmutstropfen an diesem frühlingshaften Wochenende. Als offizielle Legenden waren Micky Früh, Werner Früh, Dani Kiwi Meier (alle SUI), Ishi Shigeru (JPN), Peter König (GER), Serge Dupraz (FRA), Martin Freinademetz (AUT) und natürlich Paul Gruber (SUI) selbst vor Ort. Aber wie Paul bescheiden sagt: Jeder, der das diesjährige Longboard Classic mitgefahren ist, ist eine Legende!

Am Freitag Abend trafen sich die früh angereisten Longboarder im Festzelt an der Talstation und es herrschte ausgelassene Stimmung während den beiden Live- Konzerten: Als ersten Gig gab es Stinky Moonboots from outer space, eine Rockband, die hauptsächlich Cover- Versionen spielt und der Organizer Paul Gruber selbst angehört. Der zweite Live Act war von härterer Gangart: Muha heizte so richtig ein und im Vergleich zu den letzten Jahren war es wohl die am besten besuchte Pre Event Party.

Der Samstag war der offizielle Eventtag. Strahlender Sonnenschein und bis zu 23 Grad Lufttemperatur in dem auf 1407m Seehöhe liegenden Stuben ließen den Schnee im Albona Face rasch auffirnen. Nach ein paar Aufwärmruns auf der Piste versammelten sich die gut 30 teilnehmenden Frauen, 40 Oldschooler und 200 Starter in der allgemeinen Klasse um 12:00 Uhr am Albonagrad. Der Technische Leiter, Dani Kiwi Meier ließ die Teilnehmer abstimmen, ob sie direkt vom Grad starten, oder noch den gut 20-minütigen Hike auf das Maroiköpfle bestreiten wollen, um dann von dort aus das Rennen zu absolvieren. Da die Abstimmung ausgeglichen war, entschied am Ende die Münze dass man doch vom Albonagrad aus starten würde. Den Vortritt überließ man den Oldschoolern, die bestückt mit alten Crazy Bananas, Burton Cruzers und Burton Elites, Barfoot Boards, Fanatics, diversen Sims Modellen, Checker Pigs, Apocalypse, und anderen würdigen, mehr oder weniger fahrbaren Untersätzen ein buntes Bild ergaben. Nicht zuletzt, weil die Meisten von ihnen in den hippen Neon- Outfits der Achtziger Jahre erschienen waren. Nach einem kurzen Fußmarsch wurden die Boards angeschnallt und es ging die 560 Höhenmeter der verkürzten Offpiste- Strecke bis zur Mittelstation der Albona Bahn hinunter. Hervorzuheben sind die mutigen Oldschooler der Element SB School und Shop in Scuol (u.a. Sandro Damiani), die Stilecht mit Rocket Airs den Wächtendrop in den Albona Hang wagten und dafür von allen Seiten kräftigen Applaus ernteten. Am Ende war es der erste Europameister in der Halfpipe, Micky Früh (SUI) auf einem Sims Ultimate, der als Erster durchs Ziel ging.

Mit ca. 5 Minuten Abstand starteten die Damen. Und auch hier spielten sich im Ziel unbeschreibliche Szenen ab: Egal ob man als Erster, als Letzter oder irgendwo im Mittelfeld durch den Zielbogen an der Mittelstation kam, man sah nur lachende und glückliche Gesichter. Die Teilnehmer fielen sich gegenseitig um den Hals und freuten sich darüber den letzten Run der Saison bei traumhaften Firnbedingungen gemeinsam bestritten zu haben. Die Erstplatzierte Christine Innerhofer (AUT) hatte danach dann kaum Zeit für das Siegerinterview, da sie noch den parallel in St Anton stattfindenden Weißen Rausch mitfahren wollte. Die nur um Haaresbreite auf Rang Zwei platzierte Aline Bock (AUT) ging es gelassener an und war später auch noch bei der Siegerehrung mit dabei. Von der drittschnellsten Frau wissen wir leider nur den Vornamen: Anna. Und die Tatsache, das nicht mal der Veranstalter den Namen mitgeschrieben hat, zeigt das es beim LBC nicht wirklich auf die Platzierung ankommt.

Als letztes warf sich eine Meute von 200 Herren gleichzeitig in das Albona Backcountry. Und auch hier stand nicht das Gewinnen, sondern das gemeinsame Erlebnis im Vordergrund, einen der legendärsten Freeride Hänge zu fahren. Trotzdem ist es eine Ehre diesen Event zu gewinnen und um es gleich vorwegzunehmen: Es gab hier keine Überraschung. Wann immer der Schweizer Ralph Castelberg an Top-to-Bottom Races teilnimmt, zählt er zu den Favoriten. Das Longboard Classic in Stuben konnte er bereits 3 mal als Sieger verlassen und auch in diesem Jahr konnte ihm keiner das Longboard reichen. Ralph wählte die Evel Knievel Variante und schoss mit einer Straight Line die 560 Höhenmeter auf seinem 200cm Langen Rad Air Tanker zur Mittelstation. Auf dem nachfolgenden Platz folgte Volker Weiss (GER) und der Drittplatzierte Michael Bergauer (AUT). Und auch beim Zieleinlauf der Herren spielten sich Szenen wie aus einem schlechten Hippie Film ab: Happy Faces everywhere, High Fives und Umarmungen nach dem gelungenen Run.

Doch der Tag war noch lange nicht vorbei. Die Frühlingsbedingungen waren zu grandios um schon ins Tal abzufahren. Und so vergnügten sich die Meisten noch mit Firnruns, natürlichen Waterslides, kleinen Jumps und Oldschool Tricks im Gebiet. Erst gegen halb vier trafen die Teilnehmer zur Siegerehrung in Stuben Ort ein, die für 16:00 angekündigt war. Auch hier bot sich ein Bild, das nur im entferntesten an ein Snowboardwochenende oder gar an ein Snowboard Rennen erinnerte. Aufgrund der sommerlichen Witterung wurden die Turntables kurzerhand vor das Festival-Zelt gestellt und auch die Siegerehrung wurde im Freien abgehalten. Aber alles der Reihe nach: Stell dir vor, du kommst vom Berg runter und findest folgendes Bild vor: Zwei Jacuzzies sind aufgebaut, 200 Soulsisters und Soulbrothers aalen sich in der Sonne, das Chilli ist angerichtet und das Roots Rockers Sound System spielt feinste Reggae Tunes über eine Anlage die stark genug ist, den ganzen Ort zu beschallen. Feiner kann ein Saisonsausklang wirklich nicht sein! – Oder doch? Ach ja, toll wäre es natürlich noch wenn man ein schönes Present mit nach Hause nehmen könnte. Yep, und auch an dieser Stelle konnte das Lonboard Classic Abhilfe schaffen. Jeder Teilnehmer ist ein Gewinner! Natürlich werden die Bestplatzierten gesondert aufgerufen, beklatscht und geehrt, und auch die Trophäen an die diversen Award Winnner wie der Älteste Teilnehmer/ Teilnehmerin (Uli 54J./ ach, hätt ich bloss den Namen der Ältesten Teilnehmerin mitgeschrieben - sorry...), der Jüngste Teilnehmer (Linus Knapp, 10 J. (SUI)), der Besitzer des Ältesten Boards, der Neon Award für das coolste Oldschool Outfit (Kain Ingo Tonne (GER)) und der LBC Soul Master Award (an Ishihara Shigeru kurz Ishi genannt - Ishi war eigens aus Japan zum LBC angereist, und das nicht zum erstenmal. Ausserdem war er einer der ersten Japaner auf dem Snowboard und ist Director of the Japan Snowboarding Association) vergeben, aber die Sachpreise die am LBC verteilt werden, kann jeder Teilnehmer gewinnen. Und traditionell werden im Anschluss an die Siegerehrung so viele Goodies in die Menge geworfen, dass auch wirklich jeder seinen Preis mit nach Hause nehmen kann. Fast eine Stunde dauerte die von Kiwi und Paul äußerst amüsant moderierte Siegerehrung, bevor das Roots Rockers Sound System für den Rest des Nachmittags das kleine Dörfchen Stuben wieder in eine Klangwolke einhüllte. Als Abendprogramm stand Snowboard Video schauen im Festzelt auf dem Speiseplan. Wie langweilig, wird sich jetzt vielleicht der ein oder andere Leser denken. Aber schwer getäuscht! – Es handelte sich dabei um Videos, die man nicht alle Tage sieht und in keiner Videothek der Welt und auch nicht über youtube oder ähnliche praktische Einrichtungen glotzen kann. Ishi importierte den ersten Snowboard Film ever, aus dem Jahre 1976. Das fast verloren gegangene Zeitdokument zeigt den Gründer von Winterstick Snowboards Dimitrie Milovitch in traumhaft schönen Powderhängen mit Schwalbenschwanz Board und Bindung ohne Highback. Weitere Highlights des Videoabends: Amateur- Aufnahmen vom ersten Snowboard Halfpipe Contest ever und Organizer Paul Gruber in einer Dokumentation des Schweizer Fernsehens über die neue Sportart „Snowboarden“ Anfang der Achtziger. Gelächter, tosender Applaus und wahrscheinlich auch die ein oder andere Träne die sich die Legenden verdrücken mussten waren die emotionalen Highlights dieser Zeitreise. So sieht der etwas unkonventionelle Videoabend bei einem Longboard Classic aus.

Und was ist ein erfolgreicher Event ohne eine entsprechende Abschlußparty? Richtig! Gar nichts! Also geigten die Roots Rockers im Anschluß an die Videovorführungen noch einmal auf und brachten das gesamte Festzelt zum bouncen. Gefolgt von DJ Vinz, der dann die Teilnehmer so gegen 2:00 Uhr morgens ins Bett schicken musste. Alles in allem ein rundum gelungenes Longboard Classic, das einmal mehr in die Geschichtsbücher des Snowboardsports eingehen wird. Zwar nicht als das Longboard Classic mit den meisten Teilnehmern, sicher aber als das LBC mit den herzlichsten Participants!

Check www.longboardclassic.com

Hardfacts:
21. April 2007, 8tes Longboardclassic Stuben/ Arlberg
Streckenführung: Albona Grad (2400m) nach Albona Bahn Mittelstation (1840m)
Teilnehmer Anzahl: ca. 270

Ergebnisse:
LBC ORIGINAL - GIRLS
1 Christine Innerhofer (Austria)
2 Aline Bock (Austria)
3 Anna

LBC ORIGINAL - BOYZ
1 Ralph Castelberg (Schweiz)
2 Volker Weiss (Deutschland)
3 Michael Bergauer (Austria)
4 Christian Schnabel (Austria)

LBC OLD SCHOOL GIRLZ
1 Andrea
2 Jule/ Magic Mungo (Deutschland)

LBC OLD SCHOOL BOYZ
1 Micki Früh (Schweiz)
2 Florian Knoblich (Deutschland)
3 Jakob Holub (Deutschland)

Special Awards:
LBC Neon Award: Kai Ingo Tonne (Deutschland)
LBC Oldest Rider Award: Uli (54) (Deutschland)
LBC Oldest Board Award: ging an ein Burton Performer Elite 150. Der Teilnehmer ist das board am Event noch gefahren, der Name ist uns leider nicht bekannt...
LBC Youngest Rider Award: Linus Knapp (10 Jahre) (Schweiz)
LBC Soul Master Award: Ishi (Ishihara Shigeru), (Japan)

Check www.longboardclassic.com

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