Bindungsmontage Snowboard - Boot-Überstand (Overhang) einstellen und Aufkantwinkel ermitteln

  • "Brauche ich ein Wide-Board?"


    Vor dem Hintergrund dieser immer wieder gestellten Frage schraube ich gerade an meiner Bindung herum und experimentiere dabei mit verschiedenen Boot Überständen und schaue welchen Aufkantwinkel man dann im Ergebnis noch fahren kann, ohne Boot-Out zu bekommen.


    Im Moment ist das Ergebnis unbefriedigend:


    Bei +18° und 31 Bootlänge Bindungswinkel und mit der Bindung in jenen Inserts, die für den Reference Stance markiert sind, erhalte ich:


    Überhang hinten: 2,5cm :thumbdown:

    Überhang vorne: 1cm :thumbup:


    Aufkantwinkel hinten 57° :thumbdown:

    Aufkantwinkel vorne 83° :thumbup:


    Dieses Ergebnis finde ich unbefriedigend, weil der Boot in einer Bindung der Größe "L" zu weit hinten sitzt, obwohl ich das Hi-Back bereits ganz nach vorne geschoben habe. (Damit meine ich nicht die Hiback-Neigung, sondern das gesamte Hiback. Da meine Bindung über kein Heelcup verfügt, verschiebt man hier das ganze Hiback.)


    Um nun eine gleichmäßigere Verteilung des Überhangs von 3,5cm (in Summe) zu bekommen, muss ich nun mit der Disk (Base-Plate) arbeiten und die ganze Bindung etwas aus der Mitte heraus nach vorne verlagern.


    Mal schauen, was dann passiert...


    Nachtrag:


    Für meine Messungen verwende ich einen Schreinerwinkel und einen verstellbaren Winkelabnehmer (Schmiege), ein Zeichendreieck und einen Gliedermaßstab. Die Schmiege lege ich mit dem hölzernen Schenkel im 90° Winkel zur Längsachse unter das Board und schwenke den beweglichen Schenkel dann bis dieser Kontakt mit der Boardkante und dem Boot bekommt. Dann arretiere ich den Schenkel und nehme das Winkelmaß ab. Um den Überstand zu ermitteln, schiebe ich den Winkel an den Boot und messe dann den jeweiligen Abstand zur Kante.



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  • Update:


    Ich habe die Bindung unverändert gelassen und die Disk lediglich um ein Loch in Richtung Frontside verschoben.


    Overhang hinten 2,0 cm

    Overhang vorne 2,5cm


    Dies überrascht mich, weil die Summe des Überhangs jetzt 4,5cm Beträgt. (Ich werde gleich kontrollieren, ob sich die Bindung versehentlich verdreht hat.)


    Dafür ist der Aufkantwinkel nun vorne und hinten absolut identisch:


    Aufkantwinkel hinten: 70°

    Aufkantwinkel vorne 70°


    I'll be back...

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  • Ich messe diesen Overhang und diese Aufkantwinkel übrigens an einem Board, mit einer Waist von 25,3cm. Die Wide-Variante dieses Boards hätte 25,8cm Waist gehabt. Diese Verbreiterung von insgesamt 5mm hätte mir auf jeder Seite 2,5mm Zuwachs gebracht, was in etwa der Breite eines Streichholzes entspricht. Damit hätte sich der Aufkantwingel wohlwollend gemessen von 70° auf 72° erhöht.


    Jetzt schaue nach dem Bindungswinkel.

  • Die Bindung hatte sich an der Disk tatsächlich von +18° auf +12° verdreht. Ein winziger Versatz um einen Strich sind dann gleich 3°. Da muss man offenbar genau aufpassen.


    Ich habe die Bindung dann gerade wieder etwas zurückgedreht.


    Überstand hinten: 1,5cm

    Überstand vorne: 2,5cm


    Aufkantwinkel 72° vorne

    Aufkantwinkel 71° hinten


    Ich kontrolliere nun den Bindungswinkel...

  • das klingt viel,

    sobald schnee unterm board ist sind es aber deutlich weniger grad (abhängig von sehr harter piste zu weicher piste)

    + man erkennt jetzt schon, dass die "+5 regel" sehr gut ist/ sehr nah an deinen ergebnissen ist (darfst dabei nicht vergessen, dass alle die sich das mit ausgedacht haben genau den prozess durchlebt haben den du jetzt wieder startest :) )


    auf dem parkett komm ich auch auf ziemlich angenehme winkel, im schnee können die aber nicht erreicht werden

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  • Ich habe die Bindung nochmals um eine Raste verdreht. Die Disk steht jetzt bei +15°. Es ergeben sich:


    Überstand hinten: 1,8cm

    Überstand vorne: 2,1cm


    Aufkantwinkel hinten: 68°

    Aufkantwinkel vorne: 75°


    Ich glaube nun check ich mal die Extremwerte, bei denen der Überstand gegen Null und gegen Max. strebt.

  • Spielt hierbei eigentlich noch die Belastung des Boardes eine Rolle?


    Du misst ja aktuell an einem Camber oder?

    Dieser wird ja bei Belastung auch noch durch gebogen, je nach Flex sogar ein wenig Richtung Rocker (sozusagen).

    Wäre interessant ob das einen Unterschied macht im Aufkantwinkel auf einer harten Oberfläche.


    Wenn man jetzt noch bedenkt, dass sich das Board ja auch noch ein wenig in den Schnee frisst, da die Piste im Normalfall ja kein hartes Eis sein sollte ...


    Denke das spielt alles noch in den auf der Piste real möglichen Aufkantwinkel mit rein.


    Oder bin ich gerade irgendwo falsch abgebogen? (rein theoretische Annahmen)

  • Spielt keine Rolle, egal wie du das Board biegst der überstand ist immer der selbe, lediglich wie stark das Board einsinkt spielt ne Rolle und wird hier gar nicht berücksichtigt (siehe Post weiter oben, aufm Teppich sieht's immer besser aus als es ist)

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  • Bei 0° Bindungwinkel:


    Überstand hinten: 3,0cm

    Überstand vorne: 2,0cm


    Aufkantwinkel hinten: 64°

    Aufkantwinkel vorne: 72°


    Wenn ich den Schuh nun mit 5mm Karteikarten unterfüttere, so dass der Boot nur 5mm höher kommt, bekomme ich bei gleichem Überstand wieder annähernd identische Aufkantwinkel von:


    Aufkantwinkel 72°


    Dies spricht bei schmalen Boards und/oder großen Latschen eher für Bindungen, mit gepolsterten, hoch aufbauenden Bases. Meine Bindung ist eher flach und hat wenig Polster unter der Sohle.


    Ab ca. +40° Bindungswinkel ist der seitliche Überstand dann = 0,00cm


    Zwischenfazit:


    1. Viele Parameter spielen eine Rolle.

    2. Bei meiner grenzwertigen Kombi aus 25.3cm Waist und 31cm Boot ist bei ca 70° Aufkantwinkel Schluss mit lustig.

    3. Die Wide-Variante mit 5mm mehr Waist, hätte die Situation sicherlich etwas entschärft und den maximalen Aufkantwinkel noch etwas vergrößert - aber auch nicht viel. (Wenn ich Anfang 2018 geahnt hätte, dass meine neuen Boots 1cm länger werden als meien alten, hätte ich auch mehr Waist gekauft.

    4. Eine stärker aufgepolsterte Base in der Bindung, bei der der Schuh etwas höher über dem Bord steht, ist einem sportlichen Aufkantwinkel ebenfalls zuträglich. Hier wirken sich +5mm u. U. stärker aus als +5mm in der Waist.


    Schönen Gruß an den Tangens. :) Oder war das der Andere?

  • Ich

    Jetzt wo du es sagst und ich nochmal darüber nachdenke ^^


    SixtyNiner kannst du mal versuchen die Winkel zu bestimmen, wenn das Board sagen wir 1 cm einsinkt? Also als Referenz nicht die Kante selbst zu nehmen, sondern einen Punkt auf dem Topsheet?

    Ich reiche meine Messmethode später nach. Für einen Wissenschaftler wäre das ganz schlechter Stil, hier nicht die Versuchsanordnung offenzulegen.

  • hallo


    danke für deinen beitrag!...

    ... dass sich die winkel mit 5mm mehr waist nur so marginal unterscheiden, überrascht mich doch sehr!... weniger hingegen, dass ein erhöhter stance auch viel zum winkel beiträgt...


    noch was zu deiner bindungseinstellung: ich würd nicht unbedingt wollen, dass die schuhe vorne weiter rausschauen als hinten. der mögliche aufkantwinkel vorne grösser zu haben, kommt den meisten fahrstielen auch entgegen. zudem aber auch von der kraftübertragung her... ich verlagere mein gewicht "entschlossener" nach vorne, kann da mit weniger aufwand mehr gewicht reinbringen. dann kommt es mir entgegen, wenn ich hinten tendenziell ein bissl mehr überstand habe, oder gleich viel.


    ich werde die tage auch mal ausmessen, mit meiner burton cartel in grösse L. es steht hinten 3 cm über, da lässt sich mMn nichts mehr rausholen. Vorne guck in 1 cm raus... das ganze steht auf einem jones flagship 162w mit Waist 26.3. finds krass, was da der "standard" ist... weil egal, wie gross die schuhe sind; kann ja hinten nichts mehr verbessern. werds gern auch noch mit fotos belegen.

    die winkel zu messen war mir irgendwie nicht möglich, und so ein schreiner-dings habe ich nicht.

  • Ich frage mich oft, warum sich alle an der Waist orientieren.


    Man muss schon Nose / Tail / Waist und Radius nehmen oder aber einfach an den Inserts messen.


    Taper nimmt auch noch Breite am hinteren Fuß. Waist Width sollte nur als erster Richtwert fungieren.

    Quiver: Rome Ravine 162 | Gentemstick Chaser 156 | Burton Mystery Fish 156 | Rossignol Black ops 156 | Offshore Snurfs Up 160 | Äsmo SL 152

    Bindung: Rome Katana | Union Falcor | Union Ultra | Burton Diode EST

    Schuhe: Burton SLX + Tailored Fits Einlagen 8)

  • weil waist + 1-1,5 cm breite am insert ist

    viel mehr spiel gibt es da nicht


    und weil 98% der leute den browser schließen wenn ich ihnen erklären würde wie sie ganz präzise die breite am jeweiligen insert berechnen könnte, mathe mag keiner, simplifizierungen verstehen alle


    dazu bräuchtest du ja nur den radius, die ww und den abstand vom ww messpunkt zum insert in boardachse

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  • Hold my Beer zwo drei vier

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  • btw: das ist auch wenn uns der algorithmus dahinter nicht bekannt ist auch nen guter anhaltspunkt

    https://www.donek.com/width-calculator/


    (damit landet man wieder in der 5-6er range; schuhlänge -6 = rutschender/normaler fahrer; schuhlänge-5= carvender fahrer; und für eurocarves spezialanfragen an Winterzahn ^^)

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    Einmal editiert, zuletzt von supermo ()

  • Waist: 27,5 cm




    Tail (Inerts): 28 cm




    Nose (Inserts): 30,5




    So jetzt habe ich deinen Post auch nochmal gelesen und du hast recht. Trotzdem schöne Bilder :D


    Aber das Taper sollte man trotzdem nicht ignorieren. Hier im Beispiel 27,5 Waist aber nur 28 cm am hinteren Insert aber 30,5 am vorderen.

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  • btw: das ist auch wenn uns der algorithmus dahinter nicht bekannt ist auch nen guter anhaltspunkt

    https://www.donek.com/width-calculator/


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    Nach diesem Kalkulator ist meine Waist sogar 1cm zu BREIT.:/


    Meine Waist von 25,3 schlägt mir der Kalkulator erst bei US 11 (Men) vor. Hilfe mein Boot ist zu kurz! Herr Doktor, ich brauche längere Füße! :D

  • So hier noch zwei Pics, die zeigen, wie sich der Bootüberhang aber auch die Höhe des Kontaktpunktes am Boot auf den jeweiligen Aufkantwinkel auswirkt.



    An der Frontside liegt der Kontaktpunkt beispielsweise viel höher über dem Board als an der Ferse. Je tiefer dieser Kontaktpunkt rutscht und je größer der Überhang desto geringer fällt am Ende der Aufkantwinkel aus. Im Umkehrschluss bedeutet das: Ein hochstehender Kontaktpunkt am Boot und wenig Überhang erzeugen einen steilen Aufkantwinkel.


    Weiter fällt auf, dass die effektive Länge des Boots (also jene Länge, die tatsächlich im Schnee wirksam wird) je nach Bootgeometrie (Design) deutlich kleiner sein kann, als die Geamtlänge des Boots in der Projektion. (den Begriff habe ich neulich bei Isleman gelernt)


    Speziell bei diesem Boot könnte man daher vorne deutlich mehr Überhang verkraften als hinten und käme dann am Ende immer noch auf identische Aufkantwinkel an der Frontside und an der Backside. Mit etwas Bastelei komme ich dabei auf ca. 70° hinten und 70° vorne.


    Eine gleichmäßige Verteilung des Überstands oder würde dazu führen, dass man auf der Frontside zumindest bei diesem Boot zu einer einseitigen Verbesserung des Aufkantwinkels auf der Frontside herbeiführt, die aber zu Lasten des Aufkantwinkels auf der Backside führt.


    Bislang hatte ich immer angenommen, dass man besser hinten mehr Überstand hat, als vorne. Das war aber wohl ein Irrtum und gilt allenfalls für Schuhe, die Brettebene Sohlen haben und vorne und Hinten identisch hoch sind.


    Ich bin übrigens wahnsinnig neugierig auf Eure Aufkantwinkelmessungen! Ich will den Thread hier ja nicht ganz alleine Betreiben.